
Bitte was? Tiki? Na, ich seh schon, wir müssen wohl ein Stück weiter
vorne anfangen – und zwar im frühen 20. Jahrhundert. Bereits um 1940
kam man auf die Modeerscheinung Tiki. Inspiriert durch die Ahnenfiguren
einiger Südseekulturen wurden die aufwendigen Schnitzereien im Design
dieser Figuren in fast allen Bereichen des Lebens aufgenommen. Und
neben Schmuckdesignern, Künstlern und Möbelschreinern waren schnell
auch die Gastronomen vom Südseefieber infiziert: die Tiki-Bars schossen
aus dem Boden. Die Gestaltung der Gastflächen wurde zu einer Kunstform
erhoben, in deren Mittelpunkt die Lebensfreude und das Kunsthandwerk
der Südsee standen. Besonders charmant wirken auch heute noch die
Tiki-Mugs auf den Betrachter, die so etwas sind wie die Cocktailgläser
der ersten Stunde. Sie waren den Ahnenfiguren der Inselbewohner
nachempfunden und ausgehöhlt, um möglichst große Mengen flüssiger
Leckereien aufnehmen zu können. Einer der in dieser Szene zuhause war
und die Mugs kunstvoll füllte, war Victor Bergeron, der für sich auch
gleich mal in Anspruch nahm, eine der großen Barlegenden kreiiert zu
haben – den Mai Tai. So einer arbeitet natürlich nicht unter seinem
eigenen Namen, und so wurde unter dem Pseudonym Trader Vic gemixt, was
die Hütte aushält. Da zu dieser Zeit viele die Meinung vertraten, die
Cocktailrezepte wären das eigentliche Kapital einer Bar, wurden diese
Rezepte auch lange nicht mit anderen geteilt, und nicht zuletzt aus
diesem Grund kursiert eine große Menge unterschiedlicher Rezepte zu den
Drinks dieser Zeit. Schade für unsere Barlandschaft ist das
Verschwinden dieser Perlen der Innenarchitektur in den 70er Jahren, zum
großen Glück für uns wurden vorher die Rezepte der Bars doch noch
veröffentlicht. Und zu eurem großen Glück bin ich kein Geheimniskrämer
wie der Vic, hier also mal ein leckeres Rezept für den Mai Tai, mit in
paar Zutaten, die (fast) jeder zuhause hat:
2 cl Zitronensaft
1,5 cl Roses Lime Juice
2,5 cl Apricot Brandy
6 cl Myers Rum
3 cl Ananassaft
0,5 cl Mandelsirup
Auf Eiswürfel schütteln und auf gestoßenes Eis abseihen – schnell austrinken und einen zweiten machen.
sg
